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Ältere Pferde wie diese fast 30-jährigen "Damen" brauchen öfter eine Decke

Kommunikation mit Pferden fand bisher hauptsächlich in eine Richtung statt: Der Mensch sagt ihm, was es zu tun hat. Versierte Pferdeexperten erkennen auch, wann es den Vierbeinern gut geht und wann nicht. Aber können Pferde auch ihre Wünsche äußern und uns zum Handeln auffordern? Sie können, wie Cecilie Mejdell und ihre norwegischen Kollegen herausfanden.

Dass Pferde sensibel sind und gerne selbst entscheiden, was sie wann machen, ist kein Geheimnis. Das wissen viele Halter, deren Pferd sich nicht von der Weide holen lässt oder sich dem Reiter oder den ihm abverlangten Leistungen verweigert. Denn Pferde lernen schnell. Sie verknüpfen den sich nähernden Menschen mit Erfahrungen in früheren, ähnlichen Situationen: Futter und andere angenehme Zuwendungen oder ein hartes Training.

Aber Pferde können auch abstrakte Symbole erkennen und ihre Reaktion darauf mit speziellen Konsequenzen verbinden, v.a. wenn diese immer angenehm sind. Im Experiment untersuchten die Forscher um Mejdell diese neue Möglichkeit der Kommunikation mit Pferden.

Sie trainierten 23 Pferde aus mehreren Rassen, indem sie zunächst Annäherung und Berührung einer Tafel belohnten. Die Bedeutung von drei unterschiedlichen Symbolen – senkrechter Balken, waagrechter Balken und leeres, weißes Feld – lernten die Pferde in warmer und kühler Umgebung. Stupsten sie die weiße Tafel an, wurde nichts verändert, beim senkrechten Balken wurde ihre Decke abgenommen, beim waagrechten Balken die Decke aufgelegt (abhängig davon, ob sie schon eine Decke trugen oder nicht). Den meisten Pferden reichte ein Training von 14 Tagen, um die Zusammenhänge zu verstehen und entsprechend zu reagieren, Warmblüter waren dabei etwas schneller als die Vertreter schwerer Rassen.

Die aussagekräftigen Tests fanden dann unter unterschiedlichen Wetterbedingungen auf der Weide statt. Bei schlechtem Wetter, d.h. an Tagen mit Dauerregen und kaltem Wind, wählten fast alle den waagrechten Balken und ließen sich eindecken; bei schönstem Sonnenschein stupsten sie den senkrechten Balken an und blieben lieber unbedeckt. Damit erfolgte ihre Wahl der Symbole nicht zufällig, sondern abhängig von den äußeren Bedingungen und absolut nachvollziehbar.

Damit bewiesen die Wissenschaftler, dass Pferde abstrakte Symbole verstehen und unterscheiden können. Mehr noch, sie können lernen, die Konsequenzen ihres Verhaltens gegenüber den Symbolen für ihr Wohlbefinden zu verstehen und sie zur Kommunikation mit Menschen zu nutzen, also ihre Vorlieben (oder Abneigungen) zu äußern. Dies eröffnet nach Mejdell völlig neue Möglichkeiten, individuelle und situationsabhängige Präferenzen von Pferden zu untersuchen: "Sie haben erkannt, dass sie dadurch je nach Wetter ihren Komfort erhöhen oder beibehalten können." Auch für die Pferdehaltung ergeben sich neue Wege, um den klugen Vierbeinern optimale Bedingungen bieten zu können.

Quelle: Mejdell, C.M., T. Buvik, G.H.M. Jørgensen & K.E. Bøe (2016): Horses can learn to use symbols to communicate their preferences. – Applied Animal Behaviour Science (184): 66–73, DOI: http://dx.doi.org/10.1016/j.applanim.2016.07.014